Berlin Marathon 2012

berlin20122 unter 40.000

Beim grĂ¶ĂŸten Marathon Europas waren heuer wieder 2 Crazy Krebsler Runners  dabei: RenĂ© Buchta und Richard Six traten am Freitag die Flugreise in die deutsche Hauptstadt an, um am Sonntag mit rund 40.000 Gleichgesinnten (40.987 LĂ€ufer aus 125 Nationen hatten gemeldet) eine Runde durch Berlin zu drehen. Hier der Bericht von RenĂ© (Bericht von Richard weiter unten):

Vor gut 10 Monaten nahm ich mir vor, beim Berlin Marathon 2012 wieder die 3h 10min Grenze anzugreifen - je nĂ€her der Marathontag allerdings rĂŒckte, desto unrealistischer schien es auch nur annĂ€hernd diese Zeit zu laufen. Als mir dann Ricci im Zuge der „Berlin Vital Messe"(= Marathonexpo samt Startnummernausgabe) gestand, dass er nicht, wie eigentlich schon wochenlang geplant, das gleiche Tempo wie ich anlaufen wolle, schien mein Vorhaben noch unrealistischer zu werden...
Der nĂ€chste Schock kam am Wettkampftag, als es schon frĂŒh morgens unerwartet strahlend blauen Himmel ĂŒber Berlin gab, es drohte also sogar ein „Hitzerennen"...

Berlin_Start-2012Das Rennen ging fĂŒr uns dann nach stressfreier Anreise zum StartgelĂ€nde sowie einigen Metern aufwĂ€rmen um kurz nach neun Uhr los. Ich versuchte von Beginn an das vorgenommene Tempo zu laufen, jedoch ĂŒbersah ich die ersten beiden Kilometermarkierung und konnte daher erst bei Kilometer drei zufrieden feststellen, dass ich fast auf die Sekunde genau im Plan lag. Die nĂ€chsten Kilometer gingen dann schon fast zu leicht, ich musste mich teilweise sogar ein wenig bremsen, da ich fĂŒr meine VerhĂ€ltnisse viel zu schnell unterwegs war. So absolvierte ich die erste HĂ€lfte in 1:34:22, also unter Plan. Von da an musste ich leider dem Anfangstempo schon Tribut zollen, war aber trotzdem noch erstaunlich gut unterwegs und ich hatte körperlich ĂŒberhaupt keine Probleme, „der Mann mit dem Hammer" wollte glĂŒcklicherweise an dem Tag nicht bei mir auftauchen, so absolvierte ich auch die Kilometer ab 30 noch in recht anspruchsvollen Zwischenzeiten.
Das Beste an Berlin ist, dass auf dem Streckenabschnitt, auf dem wir HobbylĂ€ufer am meisten zu kĂ€mpfen haben, die beste AtmosphĂ€re neben der Strecke herrscht. UnzĂ€hlige Musikgruppen sĂ€umen den Weg und sorgen bei Zuschauern und LĂ€ufern fĂŒr beste Stimmung. So ĂŒberstand ich den fĂŒr mich schwierigsten Abschnitt an diesem Tag, den Teil zwischen KurfĂŒrstendamm und Potsdamer Platz(km 33-38). Am Potsdamer Platz erschien er dann plötzlich, der „Mann mit dem..." - nicht Hammer, sondern dem verdammten „3h 15min" Luftballon, ein Ă€hnliches Fiasko wie beim Florenz Marathon 2010 drohte! Es gab nur zwei Möglichkeiten, Luftballon zerstören od. Tempo verschĂ€rfen. Letzteres gelang mir dann auch und so konnte ich auf dem Weg ins Ziel nochmals so richtig beschleunigen. Auf dem Weg durchs Brandenburger Tor setzte ich zu einem ordentlichen Zielsprint an, leider reichte es aber knapp nicht fĂŒr eine Zeit unter 3h 12min - aber die Endzeit von 3h 12min 6sek bedeutet fĂŒr mich aber trotzdem eine extreme Verbesserung von 5min 42sek!

Fazit - es bleibt die Erkenntnis, dass wenn alles optimal lĂ€uft die 3h 10min fĂŒr mich allemal drinnen sein können!



Bericht von Ricci:

Als ich mich Ende Oktober 2011 fĂŒr den Berlin Marathon anmeldete (die erste, - gĂŒnstigste, Tranche von 10.000 Tickets war nach 36 Stunden ausverkauft, auch ich war zu spĂ€t dran Stirnrunzelnd) hatte ich noch hochfliegende PlĂ€ne und Ziele fĂŒr diesen Lauf. Ich hatte ja noch eine Rechnung aus 2006 offen, als ich wegen einer Meniskusverletzung nach 22 km aufgeben musste und ich wollte mich mit einer tollen Zeit "rĂ€chen". Unter toller Zeit verstand ich damals unter 3 Stunden und da Berlin ja als schnelle Strecke bekannt ist, passte das wunderbar fĂŒr dieses Vorhaben.
Na ja, seit damals hatte sich einiges grundlegend geĂ€ndert. Über den Winter nie richtig in die GĂ€nge gekommen, kamen dann im FrĂŒhjahr und Sommer zwei Verletzungen hinzu. Zuerst ein neuerlicher Meniskuseinriss (nicht schon wieder!!), der sich dann aber Gott sei Dank als "harmlos" herausstellte, d.h. nicht operiert werden musste und nach ca. 6 Wochen wieder normales Training zuließ. Dann im Sommer wĂ€hrend der "heißen" Phase der Vorbereitung aus heiterem Himmel eine Muskelverletzung. Ich gebe zu, meine Motivation hat sich durch solche Vorkommnisse allzu leicht einschrĂ€nken lassen und langer Rede kurzer Sinn: von einer halbwegs vernĂŒnftigen Vorbereitung war also keine Rede. Mein Zeitziel habe ich schrittweise reduziert und zuletzt hatte ich die BefĂŒrchtung, selbst mein Minimalziel nicht erreichen zu können. Und das lautet: nicht langsamer sein als bei meinem bisher langsamsten Marathon (Hitzemarathon in Wien 2003, 3:21:58 Std.). Um ehrlich zu sein: wenn nicht Anmeldung, Flug und Hotel schon gebucht und großteils auch bezahlt gewesen wĂ€ren, hĂ€tte ich die Teilnahme wahrscheinlich abgeblasen. Aber ausserdem wollte ich RenĂ© nicht alleine und sozusagen im Stich lassen. Die Erwartungshaltung war also was das persönliche Abschneiden betrifft ziemlich bescheiden. Trotzdem stieg meine Vorfreude in den letzten Tagen vor dem Abflug wieder merklich an, denn ich hoffte einfach auf ein tolles Event mit guter Stimmung. Um es vorweg zu nehmen: diese Hoffnung wurde mehr als erfĂŒllt!

Berlin_Start-2012-2Aber der Reihe nach: Anreise am Freitag Abend, Samstag frĂŒh stand unser privater FrĂŒhstĂŒckslauf am Programm. RenĂ© hat ein Hotel mit perfekter Lage ausgesucht: mit schönem Park vor der HaustĂŒr und außerdem mit sehr einfacher und kurzer Anreise zum Start am nĂ€chsten Tag. Nach ausgiebigem FrĂŒhstĂŒck dann zur Messe und Startnummernabholung. Hier spielte es sich dann im wahrsten Sinne des Wortes ab. Vor dem eigentlichen Bereich der Startnummernausgabe stand eine breite und lange Menschentraube, die sich dann als Warteschlange herausstellte. Es ging dann aber trotzdem recht schnell. An 21 Desks wurden die Startnummern erst unmittelbar bei der Abholung auf Laserdruckern ausgedruckt. Eigentlich genial, denn so waren keine Nummernbereiche notwendig und die Suche nach einer vorbereiteten Nummer entfiel. Dann fuhren wir zum Start-/Zielbereich und verfolgten den Zieleinlauf des SchĂŒler Mini-Marathon und den Start der Skater mit. Das Wetter war kĂŒhl, oft bewölkt mit leichtem Wind, - das wĂŒnschten wir uns auch fĂŒr den nĂ€chsten Tag! Davor gab's aber noch großes Pasta-Futtern im Hotel, das zu einem großen Teil mit Marathonis und Begleitungen belegt war.

Am Sonntag lĂ€utete um 05:45 Uhr der Wecker und die Sonne ging gerade auf. Was wir sahen, begeisterte uns nicht gerade: kein Wölkchen war am Himmel zu sehen. "Was soll's, es ist ohnehin nicht zu Ă€ndern und eine Topzeit sowieso außer Reichweite" (siehe oben). Nach leichtem FrĂŒhstĂŒck dann zum Start und dank der gewohnt hervorragenden Organisation in Berlin problemlos bis zu den Startblöcken. Dann noch einmal die Blase entleert, denn davor und auch die Tage vorher habe ich brav und viel getrunken (damit Martin nicht wieder schimpft zwinkernd). Dann fast pĂŒnktlich der Startschuss und los ging's! Vorbei an der Goldelse, die hoch oben in der Sonne strahlte, die LĂ€ufer am Boden aber glĂŒcklicherweise weitgehend im Schatten von AlleebĂ€umen oder HĂ€userzeilen. Nach ca. 7 km dann die erste der ganz wenigen merkbaren Steigungen, aber hier natĂŒrlich noch vollkommen problemlos und außerdem gings danach auch ein wenig bergab. Die nĂ€chsten Kilometer lief es dann ganz locker, - wie es sich halt gehört fĂŒr einen Marathon in dieser Phase. Die km-Zeiten waren so um 4:35, - eigentlich zu schnell in Anbetracht meines Minimalzieles und den daraus resultierenden max. 4:40 min/km. Denn ich befĂŒrchtete Schlimmes fĂŒr die 2. HĂ€lfte und wollte keinesfalls zu schnell beginnen. Ein gewisser Zeitpolster war dann aber nicht ganz unpraktisch, denn bei km 13 war es soweit: ich musste die Gelegenheit eines großzĂŒgigen GrĂŒnbereiches neben der Strecke nutzten. Kilometerlang wurde der Druck in der Blase immer grĂ¶ĂŸer und war dann nicht mehr auszuhalten (trotz "kleinem GeschĂ€ft" kurz vor dem Start). "Naja - soll nichts Schlimmeres passieren", waren meine Gedanken. Ich habe ĂŒbrigens weiterhin (und von Anfang an) alle 5 km FlĂŒssigkeit zu mir genommen (ab 20 km IsogetrĂ€nk), und zwar immer schön mit Ruhe und im Schritttempo, um nichts zu verschĂŒtten.

Tja und dann schön langsam wurde es immer "unlockerer" in meinen Beinen. Schon vor km 20 begann ein leichtes Ziehen in den Muskeln, das zuerst "im Kreis" wanderte: rechter Oberschenkel, rechte Wade, linke Wade usw.. Inzwischen passierte ich bei km 22 den Punkt meiner Aufgabe im Jahr 2006 und diesmal war ich mir sicher, dass ich das Ziel sehen werde. Die Frage war nur, was bis dahin noch alles auszustehen sein wĂŒrde. Das kreisende Ziehen in den Beinen hat sich mittlerweile in eine Art gleichmĂ€ĂŸig verteilte VerhĂ€rtung verwandelt und angesichts von noch mehr als 15 Kilometern bis ins Ziel hatte ich ziemlich böse Vorahnungen, was mich da noch erwarten wird. Aber eigentlich war das interessanterweise nur ein Randthema fĂŒr mich. Denn speziell zwischen km 20 und 30 ist die Stimmung und das Publikum entlang der Strecke wirklich phantastisch und die Befindlichkeiten des eigenen Körpers habe ich irgendwie leicht verdrĂ€ngen und trotzdem das Tempo gut halten können. Alle paar hundert Meter gab es Bands, Musik aus Lautsprechern, Trommler etc. und praktisch durchgehend lautstarke Anfeuerungen aus dem dicht stehenden Menschenspalier. Eine wirklich beeindruckende AtmosphĂ€re und schwer mit Worten zu beschreiben, muss man einfach selber erleben! Vor km 28 (nach dem wilden Eber) wurden PowerBar Energy Gels verteilt. Ich schnappte mir einen Beutel und kurz vor der Verpflegungsstelle bei km 30 dann rein damit (mit Maracuja-Geschmack, schmeckte ĂŒbrigens sehr gut). Und siehe da - innerhalb kurzer Zeit wurden die Beine wieder locker und sie liefen plötzlich fast wie von alleine. Ich war recht ĂŒberrascht und der Fun-Faktor war nun nicht mehr zu ĂŒberbieten. Km-Zeiten von 4:30 waren wieder möglich bzw. "passierten von alleine". Der Haken dabei - das Ganze wĂ€hrte nur kurze Zeit. Schon am Ku'-damm (nach km 33) kam das Blei in die Beine zurĂŒck und verschwand dann auch leider nicht mehr. Im Gegenteil -, immer mehr wurde jeder Schritt zur Qual und das ganze "Fahrgestell" schmerzte immer stĂ€rker. Dazu kam, dass ab ca. km 35-36 der Schatten auf der Strecke irgendwie immer seltener wurde. Laut Berliner Wetterdienst hatte es am Start 10° und um 12:00 Uhr 17°. Eigentlich nicht so schlimm, aber fĂŒr mich bei Sonneneinstrahlung doch eindeutig zu warm (wenngleich deutlich angenehmer als in der FrĂŒh befĂŒrchtet).

Berlin_Ziel-2012Ich glaube, ich habe schon erwĂ€hnt lĂ€chelnd, dass die körperlichen Qualen nun ziemlich heftig waren, Gelenke und Muskeln schmerzten gewaltig. Trotzdem war ich, - zu meinem eigenen Erstaunen -, nach wie vor in bester Stimmung und hatte (bis ins Ziel) nie Probleme mit KrĂ€mpfen oder allgemeiner Erschöpfung. Vor km 38 schluckte in nochmal (vor dem Start eingestecktes) Gel, aber diesmal leider ohne bemerkbaren positives Effekt. Als ich zwischen km 39 und 40 vom Pacemaker mit dem blauen 3h:15-Ballon ĂŒberholt wurde, realisierte ich erst so richtig, dass ich eigentlich einer sehr guten Endzeit (gemessen an meiner Erwartungshaltung) entgegensteuerte. Leider konnte ich beim besten Willen das Tempo des Pacemakers nicht dauerhaft halten und der blaue Luftballon vor mir wurde auf der Straße unter den Linden immer kleiner. Aber glĂŒcklicherweise tauchte bald das Brandenburger Tor auf und nochmal ZĂ€hne zusammenbeißen war angesagt. Meine FĂŒĂŸe fĂŒhlten sich an wie aus Beton und die letzten paar hundert Meter, - durch das Tor und dann Richtung Ziellinie, waren eine seltsame Mischung aus absolutem Kampf und gleichzeitigem Versuch, die bombastische Stimmung des Zieleinlaufes mit allen Sinnen aufzusaugen (inzwischen wurde ich immer wieder von LĂ€ufern ĂŒberholt, denn ich konnte einfach nicht mehr schneller). Dann war es endlich da, das Ziel! Einerseits große Erleichterung und auch Freude, dass es doch noch eine passable Zeit geworden ist. Anderseits schade, dass es schon vorbei ist. Klingt nach den obigen Schilderungen wahrscheinlich komisch, aber es war wirklich von A bis Z ein Genusslauf. Die Zeit ist irgendwie wie im Flug vergangen. Wenn ich es nicht besser wĂŒsste und auf meiner Uhr ablesen konnte, hĂ€tte ich geschĂ€tzt max. 2 Stunden unterwegs gewesen zu sein.

Nach Empfang der Medaille und einem ersten GetrĂ€nk machte ich mich auf die Suche nach RenĂ©, gespannt wieviel Vorsprung er mir abgeknöpft hatte, denn er verschwand schon kurz nach dem Start aus meinem Blickfeld. Er hatte seinen Kleidersack bereits abgeholt und wartete bereits sehr entspannt auf mich. Und das, obwohl er im Gegensatz zu mir zum Schluß nochmal richtig Gas geben konnte. Hut ab, wie locker er das ins Ziel gebracht hat!
Das Erdinger alkoholfrei im Ziel (zĂ€hlte sozusagen noch zur gratis Streckenverpflegung) schmeckte hervorragend, war schön kalt und zischte nur so runter. Die Organisation war auch nach dem Rennen perfekt und alles klappte wie am SchnĂŒrchen.
Fazit: Es lief also fĂŒr uns beide deutlich besser als erwartet und wir freuten uns auf einen gemĂŒtlichen Abend mit leckerem Steak und kĂŒhlen GetrĂ€nken!

 

Berlin_Ziel-2012-2

 

Rg. Name Kl-Rg. Klasse Zeit
2643 René Buchta
592 M-35 3:12:06
3152 Richard Six
522 M-45 3:15:08

 



Elite:
Geoffrey Mutai hat den 39. BMW BERLIN-MARATHON mit einer Jahresweltbestzeit von 2:04:15 Stunden gewonnen. In einem dramatischen Finish war der 30-jĂ€hrige Kenianer schließlich nur einen Schritt beziehungsweise eine Sekunde vor seinem Trainingspartner Dennis Kimetto im Ziel. LĂ€sst man die nicht rekordtauglichen Zeiten des Boston-Marathons außen vor, waren dies die viert- und fĂŒnftbesten Ergebnisse aller Zeiten, außerdem lief Dennis Kimetto einen inoffiziellen DebĂŒt-Weltrekord. Geoffrey Mutai hat durch seinen Sieg in Berlin, bei dem er den Weltrekord von Patrick Makau (2:03:38 in Berlin 2011) um lediglich 37 Sekunden verpasste, vorzeitig die World Marathon Majors (WMM)-Serie 2011-2012 gewonnen. Dritter wurde ein weiterer DebĂŒtant: Geoffrey Kipsang lief 2:06:12 und machte den kenianischen Triumph perfekt. 

Bei den Frauen lief Aberu Kebede (Äthiopien) zum zweiten Sieg in Berlin nach 2010. Sie gewann in hochklassigen 2:20:30 Stunden vor ihrer Landsfrau Tirfi Tsegaye (2:21:19) und der Ukrainerin Olena Shurhno (2:23:32).


Fotos
(von davor, wÀhrend und danach)
Streckenplan
Ergebnisse
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